Statt Kaufen

Bin ich zum Konsum erzogen? Ja. Es dauerte eine Weile das festzustellen, denn ich bin nicht verschwenderisch erzogen. Meine Eltern gingen beide arbeiten. Wir hatten auch nicht übermäßig Kohle. Aber irgendwie war klar, dass wir unser Geld entweder sparen oder für unsere eigenen Sachen ausgeben. Anziehsachen wurde immer neu gekauft – für meine Mutter war mein Hang zu Second Hand Läden eher eine pubertäre Anwandlung. Auch Werkzeuge und Gartengeräte wurden selber gekauft. Verliehen haben meine Eltern diese Sachen gerne – sie sind beide herzensgut und sehr großzügig – aber sich selbst Dinge zu leihen löste eher Unbehagen aus. Es könnte ja kaputt gehen. Und von Mitfahrzentralen haben die beiden glaube ich bis heute nix gehört.

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So bin ich aufgewachsen.

Heute lebe ich ganz anders. Ich wohne in einem Projekt, in dem wir selbstverständlich unsere Dinge teilen. Viele Sachen werden von Anfang an für die Gemeinschaft gekauft und genutzt. Autos werden munter verliehen und wir haben einen Gemeinschaftsgarten. Es gibt einen Internetanschluss fürs ganz Haus und sogar eine Klamottentauschbörse haben wir – denn oft sind Anziehsachen ja noch gut … wir haben nur keinen Gefallen mehr daran.

Mein Leben ist damit einfacher, bunter und auch finanziell günstiger geworden. Und ich entdecke immer mehr interessante Projekte, die sich mit dem Thema Tauschen, Schenken, Teilen auseinander setzen. In diesem Newsletter möchte ich Euch einige davon vorstellen.

Und jetzt wird munter getauscht und geteilt

mundraub.org ist eine Internetseite, auf der freie oder verlassene Obstbäume, sowie Beerensträuche und Kräuter eingetragen sind. Also frei verfügbare Lebensmittel zum Pflücken und Sammeln. Dei Seite ist interaktiv, man kann auch seine eigenen Bäume zum Ernten frei geben. Außerdem gibt es einen Blog mit leckeren Rezepten und anderen Tipps.

Um Teilen statt Kaufen geht es auch in dieser halbstündigen Dokumentation von Angelika Brötzmann). Dort wird Mundraub.org noch einmal vorgestellt. Es geht aber auch Co-Working-Spaces, Car Sharing und Open Source Projekte. Sehr schön die Kernaussage: "Und sie handeln mit einer neuen Währung: der des gegenseitigen Vertrauens."

Sogar Wohnraum kann man teilen :) Wenn Ihr gerne mit kleinem Budget aber großem Herzen reist ist vielleicht Couchsurfing das Richtige für Euch. Auf dieser Plattform könnt Ihr auf Reisen bei anderen Mitgliedern übernachten und im Gegenzug Eure eigene Couch zur Verfügung stellen. Allerdings ist es auf dieser Plattform erwünscht, sich mit Gästen auch zu beschäftigen und sich so kulturell und persönlich zu verbinden. Wer es da lieber ein wenig distanzierter aber trotzdem privat möchte ist vermutlich bei Airbnb richtig. Hier vermieten Privatleute günstig Wohnraum für kurze oder längere Zeit.

Zu guter Letzt noch eine kleine Auswahl an Verleihplattformen: Frents und Leih Dir was und Teilo. Die sind allerdings von mir ungetestet, denn ich habe das Glück mir fast alles im eigenen Projekt leihen zu können. Vielleicht habt Ihr Erfahrungen damit, die Ihr teilen möchtet?